content top

Frauen entscheiden komplizierter,…

….zumindest in der Qualitätskontrolle. Und sie sind lieber “auf der sicheren Seite”. Das ist ein Ergebnis in unserem Forschungsprojekt GenClass, in dem wir die Entscheidungsfindung in der Qualitätskontrolle  wissenschaftlich untersucht haben.

Frauen denken in der Qualitätskontrolle komplizierter als Männer – die Fehlerquote bei der Gut/Schlecht Bewertung von Werkteilen liegt allerdings bei beiden Geschlechtern gleich hoch.

Ein signifikanter  Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht: Die “Entscheidungsbäume“ (siehe die schmatische Abbildung) sind bei Frauen signifikant größer und verzweigter. Wir haben die Entscheidungsfindung in Form von „Bäumen“ abgebildet, wobei an jeder Gabelung eine Ja- oder Nein-Subentscheidung anhand eines der festgelegten Qualitätskriterien steht. Das heißt, Frauen beziehen in ihre Entscheidungen wesentlich mehr Kriterien ein als Männer und treffen differenziertere Entscheidungen. Auf die Fehlerquote hat dies aber keinen Einfluss. Allerdings: Frauen neigen bei Unsicherheit eher dazu, einen guten Teil als schlecht auszusortieren, Männer lassen diese Teile eher durch.

In der Industrie spricht dies aber für die gängige Praxis, Frauen in der Endkontrolle einzusetzen. Je geringer der prozentuelle Schlechtanteil, desto geringer fallen die Fehler der Frauen, nämlich im Zweifel tatsächlich gute Teile auszusortieren, ins Gewicht. Dass Frauen Gut- und Schlechtteile besser auseinanderhalten, ist hingegen nicht zu beweisen.

Die Versuchsanordnung: Jeweils 50 Frauen und Männer hatten nach einer Einweisung in die Kriterien der Qualitätskontrolle 600 Bilder von Werkstücken (Gussteile) zu bewerten. Die Fehlertypen waren Kratzer, Lunker und Schmutz, ein Kriterienkatalog bezog unter anderem kritische Zonen ein, in denen besonders streng beurteilt werden muss sowie Kombinationen von Fehlertypen, denen besonderes Augenmerk geschenkt werden muss.

Das Projekt stärkt unsere Kompetenz in der Industriellen Bildverarbeitung, wo wir uns ja damit auseinandersetzen, maschinelle Qualitätskontrollen mit „menschlicher Intelligenz“ auszustatten. Das Projekt GenClass hat uns Erkenntnisse darüber gebracht, wie Menschen bei Entscheidungsfindungen ticken.

Erwähnenswert ist auch eine Ergebnis einer im Anschluss an das Experiment gemachten Umfrage. Frauen mit gutem Testergebnis schätzen ihre “Prüfleistung” schlechter ein als Männer mit vergleichbarem Ergebnis.

Abbildung: Die Entscheidungsbäume von einem Mann und einer Frau mit nahezu identem Ergebnis. Beide bewerteten im Versuch etwa 80 Prozent der Teile den Anweisungen entsprechend richtig.

 

2 Kommentare zu “Frauen entscheiden komplizierter,…”

  1. Daniel says:

    Ich wusste es doch schon immer. Wir Männer sind einfach zu simpel gestickt. Aber heißt komplizierter auch gleichzeitig genauer oder ordentlicher? Wenn am Ende sowieso die selbe Richtigkeit herauskommt: “Beide bewerteten im Versuch etwa 80 Prozent der Teile den Anweisungen entsprechend richtig.”

  2. Das ist der springende Punkt: Mehr Parameter in die Entscheidungsfindung einzubinden, bringt in diesem Fall weder bessere noch schlechtere Ergebnisse.

Kommentar eintragen

What is 4 + 13 ?
Please leave these two fields as-is:
IMPORTANT! To be able to proceed, you need to solve the following simple math (so we know that you are a human) :-)